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Warum ich mich als Trennungselterncoach und Verfahrensbeistand engagiere Teil 2

Es hat noch eine Weile gedauert, bis ich begriffen hatte, dass ich auf einem Holzwege war. Weder habe ich die Ängste und Wünsche meiner „Verflossenen“ gesehen, noch die der Kinder. In der eskalierenden Trennungsphase fehlt einem selbst wahrscheinlich der Blick dafür. Der Gerichtsprozess war keine schöne Erfahrung. Von meiner Anwältin empfand ich mich schlecht vertreten und die Arbeit der Verfahrensbeiständin empfand ich als parteiisch. Jedenfalls gab es, was eigentlich der Auftrag war, keinerlei Bemühungen, zwischen den Parteien zu vermitteln, stattdessen fragwürdige Schlussfolgerungen, um die bestehende Rechtsprechung nicht zu sprengen. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass ich im Korsett einer der gesellschaftlichen Realität nachhinkenden Rechtsprechung steckte und so gesehen schon ein „gutes Urteil“ bekommen hatte.

 

So sehe ich das zumindest jetzt, da ich weiß, dass dies alles Teil eines gesellschaftlichen Umbruchs ist, der eben ein paar Jahrzehnte braucht und der mit den heutigen Neuerungen im Familienrecht noch lange nicht am Ende angekommen ist. Denn der Versuch eines zunehmenden Ausgleichs zwischen den Geschlechtern, der sich heute bspw. in Arbeitswelt (mehr weibliche Führungskräfte) und Familie (Wechselmodell) widerspiegelt, wird sich auf anderem Wege wieder dem Trägheitsgesetz der menschlichen Kultur anpassen müssen, was ich heute als Verfahrensbeistand schon sehr deutlich spüre.

 

Ich will es kurz machen: Ich habe noch eine ganze Weile gebraucht, um zu begreifen und habe dabei verschiedene Vereine kennengelernt, in denen sich diejenigen, die sich vom damaligen familienrechtlichen Status quo ungerecht behandelt fühlten, in mehr oder weniger frustrierter Form Luft machten. Ich habe aber dort irgendwie immer ein Unbehagen empfunden, weil ich keine Lust hatte, mein restliches Leben zu verjammern oder ob der Ungerechtigkeiten völlig in Hass auf das andere Geschlecht aufzugehen. Oft waren das auf beiden Seiten der Geschlechtergrenze sehr einseitige Perspektiven, deren Argumentationen zumeist eine selbstkritische Komponente fehlte. Ich bin es einfach gewohnt, Probleme eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und will an deren Lösung auch selber wachsen. Und als studierter Philosoph habe ich mit zunehmender Ruhe, die einkehrte, mich auch selbst bzw. mit externer Unterstützung befragt sowie belesen. Irgendwann hatte ich verstanden, dass in so einem Konflikt in der Regel beide Seiten ähnlichen Ängsten ausgesetzt sind oder Menschen mit unbearbeiteten Kindheitskonflikten in besonderer Weise zur Eskalation der Situation beitragen, weil ihre Ängste vor dem Hintergrund ihrer schmerzlichen Erfahrungen der Vergangenheit ins Unermessliche gehen. Es könnte ja sein, dass es in solchen Konflikten weniger um Schuld, als vielmehr um die jeweiligen Voraussetzungen geht, die wir aus unserer Kindheit zur Konfliktbewältigung mitbekommen. Diese Probleme vor dem Gericht auszutragen halte ich heute für den falschen Weg, auch wenn dieses selbst noch einmal einen Einigungsversuch unternimmt, bevor ein Beschluss gefällt wird. Was nicht heißt, dass ich in jedem Fall einen Antrag beim Gericht ausschließen würde.

 

Ich hatte im Zuge meiner damals neuen Einsichten durch die Begegnung mit einem ehemaligen Familienrichter endlich verstanden, dass der effizienteste Weg, Frieden zwischen den streitenden Parteien zu schaffen, der Fokus auf die Bedürfnisse der betroffenen Kinder ist. Obwohl die meisten behaupten, würden, vor allem das Wohl der Kinder zu betrachten, war das für mich ein totaler Perspektivenwechsel, der insgesamt einen wesentlichen Umdenkprozess auch in anderen Bereichen meines Lebens mit sich gebracht hat.

 

Hätte ich in der heißen Trennungsphase jemanden an meiner Seite gehabt, der mich unterstützt und zugleich mein Denken und Handeln in dieser Richtung auch stärker hinterfragt, wäre es damals um einiges stressfreier verlaufen. Ich hätte viel (Lehr-) Geld gespart und die Emotionen hätten sich sicher schneller gelegt. Zum Wohle meiner Kinder und meiner selbst. Vielleicht kann ich mit meinem Engagement einigen der Trennungseltern und ihren Kindern, mit denen ich arbeite, diesen Umweg ersparen?!

 

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