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Rollentausch?!

 

Liebe Familie K.,

 

ich möchte Bezug nehmen auf den Schriftverkehr Ihrer Anwälte beim Familiengericht. Als Interessenvertreter Ihrer Kinder möchte ich Sie bitten, gegenseitige Unterstellungen in Zukunft zu unterlassen. Es wirkt aus meiner Sicht ein bisschen wie Kindergarten und ich habe die Befürchtung, dass die Kinder dabei gezwungen werden, die Erwachsenen zu spielen, vernünftig zu sein. Was dann in der Tat nicht kindeswohldienlich ist und Konsequenzen bedarf.

 

Ich würde mir wünschen, dass Ihre Anwälte Sie darüber aufklären, wie Konflikte eigentlich entstehen und Sie nicht dabei unterstützen, diese weiterzutreiben. Ich gehe davon aus, dass Sie beide für Ihre Kinder vor allem den Wunsch haben, diesen eine gute Erziehung und viel Liebe zukommen zu lassen, damit sie sich später gut im Leben zurechtfinden können. Dazu braucht es z.B. Anstand, Wertschätzung und Rücksicht gegenüber anderen Menschen. Aber Ihre Kinder wachsen derzeit im Streit auf, erleben ihn hautnah und werden sogar mit hineingezogen. Dies sind die Muster, die sich, wenn das so weitergeht, in deren Gehirnen so stark festsetzen und breit machen werden, dass alle sonstigen erzieherischen Bemühungen keine Chance haben werden, sich dagegen durchzusetzen.

 

Da ich davon ausgehe, dass Sie beide genau das nicht beabsichtigen, möchte ich Sie beide dazu einladen, sich zu besinnen und ein anderes Miteinander, ggf. mit Unterstützung von Familienberatern, umzusetzen. Sie tun es nicht nur für sich, sondern vor allem auch für Ihre Kinder, die sehr unter diesem Streit leiden, was sehr negative seelische Folgen im Erwachsenenalter wie Depressionen, Suchtverhalten u.ä. wahrscheinlich macht. Vielleicht hat es damit zu tun, dass Sie selbst solche Erfahrungen in ihrer Kindheit machen mussten und nun, in dem Wunsch, endlich einmal gehört und anerkannt zu werden, diese Muster unbewusst auf die nächste Generation übertragen.

 

Aus meiner Sicht kommt es darauf an, endlich wertschätzend miteinander zu reden, z.B., indem Herr K. Frau K. fragt, ob sie als Haupterzieherin es gut fände, wenn er seinen Kindern so eine Hightech-Uhr schenkt. Und Frau K. im Interesse eines Kompromisses eben keine Nummern von den Uhren löscht, sondern das Gespräch sucht, wenn sie das nicht für angemessen hält. Und wenn regelmäßiger Kontakt zwischen Vater und Kindern und ggf. sogar zwischen Vater und Mutter möglich ist, dann wird sich Herr K. auch normal ankündigen können, so dass Frau K. nicht völlig irritiert ist, wenn er plötzlich bei den Kindern aufschlägt.

 

Es wäre müßig, hier einen Schuldigen auszumachen, weil wir eben alle sehr verschieden sind und denken. Jeder hat das Recht dazu, solange er damit nicht andere negativ beeinflusst und nebenbei den Kindern damit auch noch ihre Kindheit versaut. Die Lösung heißt: wertschätzende Kommunikation, die auch selbstzufriedener macht! Sie scheinen mir eigentlich beide für sich sehr vernünftig, so dass jeder von Ihnen unabhängig vom anderen und bedingungslos damit beginnen kann: Zeigen Sie Ihren Kindern bitte endlich das, wozu Sie sie eigentlich erziehen wollen! Zeigen Sie ihnen, dass Sie die Erwachsenen sind, die ihren Kindern Sicherheit und Liebe bieten. Nicht umgekehrt!

 

Viele Dank!

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